Räikkönen und seine Ziele

Per Youtube-Video liess Lotus heute die Katze aus dem Sack: Kimi Räikkönen bleibt der Formel 1 ein weiteres Jahr erhalten und fährt auch in der kommenden Saison für das Team aus Enstone. Im Interview spricht der Finne über sein erstes Jahr bei Lotus und lässt seine Comeback-Saison Revue passieren. Ausserdem erklärt er, warum man ihn nicht zur Vertragsverlängerung zwingen musste und blickt auf die Saison 2013 voraus, wo sich der 32-Jährige vor allem im Qualifying steigern will.

Frage: Kimi, welche Eindrücke hast du bei deiner Rückkehr in die Formel 1 gewonnen?

Kimi Räikkönen: Diese Saison hat mir gezeigt, dass ich das Rennfahren noch genau so sehr liebe, wie es immer der Fall war. Ohne dieses Gefühl wäre ich nicht in den Sport zurückgekehrt. Ich habe immer noch die gleiche Leidenschaft, ein Formel-1-Auto zu fahren gibt mir immer noch die gleiche Inspiration.

Lotus ist dein viertes Team in der Formel 1. Wie stimmt die Chemie zwischen dir und dem Team?

Ich bin sehr glücklich mit dem Team; mit der Art und Weise, wie sie arbeiten, wie sie die Rennen angehen, wie sie in die Entwicklung des Autos investieren. Durch die Fortschritte hinter den Kulissen in Enstone sollten wir im nächsten Jahr noch öfter in der Lage sein, um das Podium zu kämpfen, und können in der Meisterschaft ein noch stärkerer Herausforderer sein.

Auf YouTube ist ein Video zu sehen, in dem du zu einer Vertragsunterschrift gezwungen wirst. Liefen die Verhandlungen mit Lotus vergleichsweise zivilisiert ab?

Das Team musste mich nicht fesseln oder mit einem Fotoalbum erpressen, wie bei anderen Verträgen, die ich in letzter Zeit unterschrieben habe. Das war in diesem Fall nicht notwendig.

Wie motiviert gehst du in die letzten Rennen dieses Jahres und in die kommende Saison 2013?

Meine Motivation ist so gross wie immer. Ich brenne darauf, Rennen zu fahren.

In wieweit werden dir die Erfahrungen aus diesem Jahr in der nächsten Saison helfen?

Wir haben als Team bewiesen, dass wir ein starkes und zuverlässiges Auto bauen und entwickeln können. Dieses Jahr war eine gute Plattform um eine Basis zu legen, von der aus wir im kommenden Jahr noch stärker werden. Wir wissen, dass wir uns in einigen wichtigen Bereichen verbessern müssen. Das sollte uns dabei helfen, im nächsten Jahr noch bessere Resultate zu erzielen. Ich freue mich darauf, die Arbeit mit dem Team fortzusetzen und im Jahr 2013 Grossartiges zu erreichen.

Was hast du aus diesem Jahr gelernt?

Ich glaube einige Leute hatten Zweifel, wie ich mich nach der Pause schlagen würde. Aber ich hatte ja nie mit dem Rennfahren aufgehört. Ich habe mit dem Rallyesport zwar etwas anderes gemacht, aber nach meiner Rückkehr in die Formel 1 fühlte ich mich auf Anhieb fit und schnell genug, um Rennen zu fahren. Mein Siegeshunger ist noch genau so gross wie immer, und ich habe gezeigt, dass ich in der Lage bin, um Siege zu kämpfen. Leider war ich dabei in diesem Jahr noch nicht erfolgreich, aber ich war einige Male dicht dran und werde es so lange weiter versuchen, bis ich gewinne.

Worauf legst du 2013 den Schwerpunkt?

In erster Linie will ich jederzeit, an jedem Wochenende, bei jedem Rennen mein Bestes geben. Ich glaube, dass ich in den Rennen noch bessere Leistungen abrufen kann. Vor allem muss ich mich aber im Qualifying steigern. Diese Saison hat gezeigt, dass du in den ersten beiden Reihen stehen musst, um zu gewinnen. Daher ist es wichtig, dass wir unsere Startpositionen 2013 verbessern. Das ist eines meiner Hauptziele.

Räikkönen: "War eine naheliegende Entscheidung"

Kimi Räikkönen geht hoch motiviert in seine

zweite Saison bei Lotus


Schon seit Wochen zeichnete sich ab, dass Lotus 2013 mit Kimi Räikkönen und Romain Grosjean weitermachen wird, und zumindest was den "Iceman" angeht, ist dies seit heute offiziell. In Form eines PR-Videos gab das Team auf unkonventionelle Art und Weise die Vertragsverlängerung mit dem derzeit Drittplatzierten der Fahrer-Weltmeisterschaft bekannt.

Räikkönen stand bisher sechsmal auf dem Podium, hat so oft gepunktet wie kein anderer Fahrer (16 Mal in 17 Rennen) und führt im Punkte-Stallduell mit Teamkollege Romain Grosjean mit 173:90. Dass er nach gewonnenen Qualifyings mit 7:9 im Rückstand liegt, ist nur ein kleiner Wermutstropfen. "Ich finde, meine Rückkehr in die Formel 1 ist bisher ganz gut gelaufen und das Team hat das ganze Jahr gute Arbeit geleistet", sagt der 33-Jährige anlässlich der Bekanntgabe.

"Ehrlich gesagt hätte ich nicht damit gerechnet, dieses Jahr um die WM zu kämpfen, wenn man bedenkt, wo das Team 2011 gestanden ist. Insofern war es klasse, so oft auf dem Podium zu stehen und regelmässig Punkte zu sammeln", so Räikkönen. "Ich fühle mich bei Lotus sehr wohl und wir haben die gleiche Philosophie, was den Rennsport angeht. Mit dem Team weiterzumachen, war für mich eine naheliegende Entscheidung, und ich freue mich darauf, nächstes Jahr den nächsten Schritt zu machen."

Dass sich Räikkönen bei Lotus wohl fühlt, hängt wohl auch damit zusammen, dass ihm das Team möglichst viele Freiheiten einräumt. Und die PR-Abteilung versteht es, aus seinen Schwächen einen Running-Gag zu machen. Beispiel: Für Journalisten gibt es in der Hospitality jederzeit ein Magnum-Eis - eine Anspielung auf das Abbruchrennen in Malaysia 2009, als alle anderen Fahrer noch voll konzentriert auf den Restart warteten, während der "Iceman" schon in kurzen Hosen ein Eis leckte. Oder auch das neueste PR-Video eines finnischen Bekleidungsherstellers ("Wie wir Kimi Räikkönen bekommen haben"), das längst YouTube-Kult ist. Darin wird Räikkönen von Mafia-Gangstern gekidnappt und gezwungen, den Sponsorendeal zu unterschreiben. Zuerst spuckt er nur auf den Vertrag, doch als ihm die Kidnapper damit drohen, heikle Fotos aus seinem Privatleben (man erkennt im Album ein Bild mit verpixelten Genitalien) zu veröffentlichen, willigt er doch ein.

Zwischendurch, so unbestätigte Paddock-Gerüchte, soll Räikkönen in lustlosen Momenten schon mal bei technischen Briefings geraucht und Alkohol getrunken haben, doch egal ob das stimmt oder nicht: Sportlich gesehen geht die Rechnung für Lotus voll auf. "Es war eine natürliche Schlussfolgerung für uns, zu bestätigen, dass wir seine Fähigkeiten auch nächste Saison nutzen werden", erklärt daher Teamchef Eric Boullier. "Kimi hat eine aussergewöhnliche Rückkehr in die Formel 1 hingelegt", sagt er. "Schon als er zum ersten Mal in diesem Jahr im Auto sass, war klar, dass er nichts von seinem Speed und seinem technischen Feedback eingebüsst hatte, und wir wurden mit einem konzentrierten und motivierten Fahrer belohnt. Dass wir als Lotus-Team dieses Jahr um so starke Meisterschaftspositionen kämpfen, hängt zu einem nicht unerheblichen Teil mit Kimis Talent und Rennsport-Erfahrung zusammen."

Genii steht hinter Formel-1-Engagement


Am 16. Dezember übernahm Genii Capital die Mehrheit am damaligen Renault-Team und geht seit der Saison 2012 unter dem Namen Lotus an den Start. Über die Hingabe des in Luxemburg ansässigen Unternehmens wurde zuletzt gerätselt. Es gab Gerüchte, wonach das Team zum Verkauf stehen würde. In dem Zusammenhang tauchte wiederkehrend der Name Proton auf.

Teamchef Eric Boullier dementiert diese Gerüchte gegenüber 'Autosport'. "Hinter den Kulissen gibt es offensichtlich viele Diskussionen. Ich kann bestätigen, dass das Team nicht zum Verkauf steht, es nicht verkauft wurde und auch nicht verkauft wird", bekräftigt er. "Auch wenn es einige Diskussionen mit Partnern gab, hatte Genii die Kontrolle über die Situation."

Dennoch gibt Boullier zu, dass es zuletzt zu Änderungen kam: "Es ist nicht nur alles beim Alten sondern sogar noch besser." Für die Zukunft sieht der Lotus-Teamchef keine Probleme: "Die Strategie von Genii ist nun ziemlich klar und wir werden alles Nötige haben, um einen Langzeitplan aufzustellen. Sie stehen hinter einem Langzeitplan."

30.10.2012